Confiture - mein sporadisches Blog

Historische Zeichnung eines Konfitürenglases

Ab und an schmiere ich Ihnen hier was aufs Brot. Mal fruchtig, mal mit Stückchen, und hin und wieder ist sogar ein bisschen Quintessenz drin.

Guten Appetit!



Sie haben geläutet?

Was Kammerdiener und Administratoren gemeinsam haben

Er agiert dezent im Hintergrund, ist absolut verlässlich, unbedingt vertrauenswürdig, nie um eine Lösung verlegen, vorausschauend und stets zu Diensten, wenn es nötig ist - James, der Administrator.

Wenn Sie beim Lesen der Einleitung an einen Kammerdiener klassischer Prägung denken, an einen „gentleman's personal gentleman”, haben Sie schon eine recht genaue Vorstellung davon, wie ich meine Tätigkeit als Netzwerkadministrator auffasse. Aber was haben Kammerdiener und Administratoren miteinander gemein? Lassen Sie es mich erklären.

Auf den ersten Blick gibt es kaum Berührungspunkte zwischen den beiden Tätigkeitsfeldern, sieht man mal von den bisweilen eher ungewöhnlichen Arbeitszeiten ab. Betrachtet man aber die grundlegende Arbeitshaltung und den Zweck des jeweiligen Tuns, so werden schnell viele Gemeinsamkeiten zwischen den Berufen deutlich:

Ebenso wie der Kammerdiener seinem Herrn nimmt auch der Administrator seinem Auftraggeber Arbeiten ab, die dieser nicht ausführen kann oder möchte. Der Kammerdiener schafft so die notwendigen Voraussetzungen für das erfolgreiche gesellschaftliche Auftreten seines Herrn; der Administrator schafft die Bedingungen für den reibungslosen Ablauf der Geschäftsprozesse des Unternehmens.

Dabei befinden sich beide in einer Position, in der sie zwangsläufig mit perönlichen und vertraulichen Informationen über ihren Dienstherrn in Kontakt kommen. Verlässlichkeit, Diskretion und Vertrauenswürdigkeit sind daher für beide Berufsgruppen unverzichtbare Eigenschaften.

Gute Vertreter Ihrer Zunft zeichnen sich in dem Bemühen, ihre Brötchengeber stets gut aussehen zu lassen, sie vor Gefahren zu schützen und ihnen aus jeder Verlegenheit zu helfen durch eine gewisse Berufsehre aus, zu der hohe Leistungsbereitschaft und der unbedingte Wille gehören, immer einen Weg zu finden. Wo wären die Herren Wooster, Arronax und Fogg, ohne Jeeves, Conseil und Passepartout?

Zu dieser Loyalität gesellt sich das Bestreben, die notwendigen Tätigkeiten so auszuführen, dass der Dienstherr möglichst wenig in seinen Kreisen gestört wird. Die Anwesenheit guter Administratoren und Kammerdiener bemerkt man kaum, doch werden sie schmerzlich vermisst, wenn sie nicht da sind.

Findigkeit, Loyalität, Verlässlichkeit, Dezenz - bei Angehörigen technischer Berufszweige lautet der denglische Sammelbegriff hierfür „soft skills”, aber wer läßt sich schon gerne nachsagen, er verfüge über matschige Fähigkeiten? Da halte ich es doch lieber mit den unsterblichen letzten Worten eines weiteren, sehr bekannten Butlers:
„I'll do my very best.”

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